Kalevala-Knochensetzen

Die Geschichte des Knochensetzens

[Neigung des Beckens nach vorne und nach links]
[Verlagerung des Beckens nach vorne und nach rechts]
Quelle: T. Myers, Anatomy Trains

Das Knochensetzen ist eine uralte Volksmedizin. Schon in frühen Zeiten und bei vielen Völkern hat es Kundige gegeben, die in der Lage waren, durch Handgriffe Beschwerden an Wirbelsäule und Gliedmaßen zu lindern oder zu beseitigen und bestimmte Krankheiten zu heilen. Diese Heiler hatten keine medizinische Ausbildung, aber durch scharfe Beobachtung und genaues Fühlen und mit Hilfe gezielter Handgriffen wussten sie die Ursachen der Beschwerden herauszufinden und zu behandeln. Obwohl das damalige Knochensetzen in der Regel nicht sanft ausgeführt wurde, erzielte es häufig einen besseren Erfolg als die derzeitigen Schulmedizinischen Behandlungen. Trotzdem hat die Schulmedizin das Knochensetzen niemals anerkannt, weil es eine wissenschaftliche Grundlage entbehrte. Aber der amerikanische Arzt Andrew Taylor Still entwickelte im neunzehnten Jahrhundert aus dem Knochensetzen die Osteopathie. Auch die Chiropraktik geht auf das Knochensetzen des neunzehnten Jahrhunderts zurück. Dank der Osteopathie und Chiropraktik wissen wir jetzt ziemlich genau wie die Techniken des Knochensetzens wirken. Die Faszienforschung der letzten Jahre hat mehr Licht geworfen auf die Mechanismen wodurch die sanften Formen des Knochensetzens den Körper beeinflussen. Heute ist das Knochensetzen in vielen Ländern verschwunden. Aber in Finnland besteht es noch immer und wird es aktiv unterrichtet. Selbstverständlich lernt man in der Ausbildung die Kontraindikationen, so dass die Behandlung gefahrlos durchgeführt werden kann. Viele heutige Knochensetzer haben auch eine Ausbildung in der Gesundheitsfürsorge und haben also Grundkenntnisse der Medizin.

Kalevala-Knochensetzen – die Prinzipien

Es gibt in Finnland verschiedene Formen des Knochensetzens. Das Kalevala-Knochensetzen ist benannt nach dem finnischen Nationalepos, dem Kalevala, wo im fünfzehnten Gesang Lemminkäinens Mutter die Gliedmaßen ihres Sohnes zusammenfügt und ihn wieder zum Leben erweckt. Der Grundsatz des Kalevala-Knochensetzens ist, dass alle Beschwerden durch ein gestörtes Gleichgewicht verursacht werden. Ein Beinlängenunterschied zum Beispiel führt zu einem Beckenschiefstand. Die Folge hiervon kann eine Krümmung der Wirbelsäule sein, möglicherweise bis zum Kopf, was unter anderem zu Nackenverspannungen und Kopfschmerzen führen kann. Dies verdeutlicht, dass Beschwerden fern von ihrer eigentlichen Ursache auftreten können. Der Körper kann auf vielerlei Weisen in Ungleichgewicht sein, wie die Skizzen auf dieser Seite veranschaulichen. Das Ungleichgewicht behindert den Lymphfluss, den Blutkreislauf und das Funktionieren der Nerven. Darum kann es auch Beschwerden verursachen, die auf den ersten Blick nichts mit dem Bewegungsapparat zu tun haben. Meistens ist das Ungleichgewicht funktionell. Das heißt, dass es durch wiederherstellbare Fehlstellungen von Gliedmaßen und Wirbelgelenken verursacht wird. Die Fehlhaltungen werden gewöhnlich durch verspannte Muskeln und Faszien aufrechterhalten.

Kalevala-Knochensetzen – die Behandlung

[Rückenmassage im Stil des Kalevalas]

Die obenerwähnte Betrachtungsweise ist auch von einigen anderen Fachgebieten, wie der klassischen Osteopathie und der Functional Fascial Release Methode bekannt. Aber die Besonderheit des Knochensetzens im Stil des Kalevala ist die sanfte Behandlungsweise. Ein Kalevala-Knochensetzer „knackt“ nicht. Fast alle Mobilisierungen finden mit Hilfe der eigenen Bewegung des Kunden / der Kundin statt. Bevor ein Gelenk mobilisiert wird, wird das Weichteilgewebe, welches das Gelenk in seiner Fehlhaltung hält, so gut wie möglich aufgelockert. Auch diese Lockerung wird ohne viele Kraft und mit Hilfe von Bewegungen des Kunden / der Kundin bewirkt. Trotz der sanften Technik ist die Behandlung sehr effektiv. Das Knochensetzen im Stil des Kalevala fängt immer bei den Füßen an und schreitet von dort bis zum Kopf fort. Es ist wesentlich dafür zu sorgen, dass der ganze Körper sich an die Korrektur der Fehlstellungen anpassen kann. Sonst würden diese Korrekturen nicht lange standhalten. Darum wird beim Knochensetzen im Stil des Kalevala grundsätzlich der ganze Körper in derselben Behandlungssitzung behandelt. Aber es ist unmöglich den ganzen Körper intensiv zu behandeln in einer mäßigen Zeit. Ein erfahrener Knochensetzer weiß einzuschätzen, welche Stellen am meisten Behandlungsbedürftig sind und für welche nur eine leichte Berührung genügt.

Untersuchungen haben gezeigt, dass herkömmliches Knochensetzen bei chronischen Rückenschmerzen im Lendenbereich oder Nackenschmerzen ebenso gut oder eben besser als Physiotherapie oder Massage hilft. Weitere Information über das Kalevala-Knochensetzen finden Sie auf der Webseite des Kansanlääkintä Vereins (auf Finnisch).